Architects

Es war ein denkwürdiges Jahr für die Jungs von ARCHITECTS, eine der erfolgreichsten Metalcore-Bands aus London. Die Briten um Frontmann Sam Carter waren mit neuer Kraft aus dem Verarbeitungsprozess des mit 28 Jahren an Krebs verstorbenen Gründungsmitglied und Gitarrist Tom Searle im Jahre 2016 zurückgekehrt und Ende 2019 auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere angekommen

Dann kam die Coronapandemie. Monate der Stille und des Nachdenkens folgten. Dann der Doppelschlag: Ein neues Album mit dem Namen „For Those That Wish To Exist“ sollte im Februar 2021 inklusive Vorab-Single „Animals“ veröffentlicht werden. Ein Streaming-Konzert in der altehrwürdigen Royal Albert Hall in London Ende November war auch geplant, die Aussage unmissverständlich: Eine Band mit einer solch bewegenden Historie wie ARCHITECTS lässt sich nicht von einer Pandemie stoppen. Am 21. November 2020 war es dann so weit, der Stream startete um 21 Uhr deutscher Zeit. Der Chat explodierte bereits in den Minuten vor Beginn der Übertragung. Besonders beliebt, die Schriftvariante von Sam Carters Signature-Shout: „Blegh!“ An den sonst mit Zuschauern besetzten Sitzplätzen im Oberrang der Royal Albert Hall, die  ARCHITECTS als Ort des Geschehens ausgewählt hatten wurden für jeden einzelnen Platz der Halle Kerzen aufgestellt, da im Rahmen der Coronapandemie kein Zuschauer das Konzert hätte besuchen dürfen. Um kurz nach 21 Uhr ging es dann los. Die Kamera folgte dem mit einer Lederjacke bekleideten Sänger aus den Rängen der Royal Albert Hall mitten in das bis auf ein paar Techniker menschenleere Rund im Zentrum der Zuschauerlogen. Aus der Perspektive des abwesenden Publikums schreit Sam Carter die ersten Worte des urgewaltigen Openers „Nihilist“ in Richtung Bühne. Ein bittersüßer erster Gänsehautmoment, der den Schmerz der vielen ausbleibenden Live-Momente in 2020 überdeutlich werden lässt. Die Band legt ohne Atempause nach: Für „Modern Misery“ gesellt der Sänger sich auf sein eigenes Podest zwischen den anderen Bandmitgliedern. Dann folgte „Discourse Is Dead“ erstmals konnte man einen neuen Song aus dem zu dem Zeitpunkt noch nicht veröffendlichten Album „For Those That Wish To Exist“ hören. Die melodischere Stoßrichtung der ersten neuen Single „Animals“ wird beibehalten, Härte und Tempo jedoch deutlich angezogen. Mit „Broken Cross“, „Death Is Not Defeat“, „Royal Beggars“, „Gone With The Wind“, „Mortal After All“ und „Gravedigger“ folgten die Songs der letzten drei Alben,die man bei einem Konzertbesuch von ARCHITECTS erwartet und die ein Muss auf der Setlist sind. Der Sound ist einfach atemberaubend, die Art des Stils wie ARCHITECTS ihre Instrumente mit der Stimme von Frontmann Sam Carter in Einklang bringt ist perfekt, aber an den entscheidenden Stellen roh genug, sodass zu keinem Moment Zweifel an der Live-Haftigkeit des Geschehens aufkommen. Dreh- und Angelpunkt der Show ist Sam Carter, der eine Vocal-Performance liefert, die zum Besten gehört, was das Genre zu bieten hat. Zwischen schnellen und energievollen Shouts, melodischen Screamingvocals, Cleaningvocals und vermehrt auch tiefen Growls beherrscht der Mann mittlerweile absolut alles. Und das mit einer Live-Power, die staunen lässt. Die anderen Bandmitglieder Dan Searle, Alex Dean, Adam Christianson und Josh Middleton (SYLOSIS), der den Platz an der Gitarre für den verstorbenen Tom Searle eingenommen hat, brettern dazu auf ihren Instrumenten zwischen Uptempo-Mathcore, Djent-Passagen, Post-Metal und atmosphärischen Breaks. Im weiteren Verlauf des Konzerts gab es neben der ersten Single „Animals“ mit „Dead Butterflies“ noch einen dritten brandneuen Song zu hören, der einem wie eine gewaltige Welle entgegengeschleudert wurde. Einen absoluten Gänsehauteffekt bekam man als die Band sich gegen Ende der Setlist im Innenraum der Halle im Kreis setzte, um dann die Songs „Memento Mori“ und „A Wasted Hymn“ als Akustikversionen zu performen. Was man bis zu diesem Zeitpunkt Live von ARCHITECTS bisher noch nie zu hören bekam. Mit „A Match Made In Heaven“, „Hereafter“ und „Doomsday“, die letzten drei Songs des Abends, legten ARCHITECTS dann nochmal einen furiosen Endspurt hin und beendeten eine großartige Liveshow. Bleibt abzuwarten, ob ARCHITECTS vielleicht eine DVD/Blu ray dieses historischen Auftritts veröffentlichen werden. Verdient hätte es dieser Abend ganz sicher.

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